Novi Sad – pulsierender Mittelpunkt der Vojvodina
Dreimal pro Woche öffnet sich in Novi Sad die Ponton-Brücke – mahnende Erinnerung an die jüngere Vergangenheit Serbiens –, um die Donau-Flussschiffe auf ihrem Weg nach Belgrad und weiter zum Mündungsdelta passieren zu lassen. Sie bringen mehr und mehr (Tages-)Gäste in die Messe- und Kulturstadt. Als Attraktionen erweisen sich dabei die Sterija Theaterfestspiele (seit 1956), der Marathonlauf von Fruška Gora (seit 1978) und EXIT, das jüngste Musikfestival Serbiens, aber zugleich das größte in Südosteuropa. Darüber hinaus lockt nicht zuletzt die Stadt selbst mit ihrer wechselvollen Vergangenheit und lebendigen Geschichte, zudem ist sie idealer Ausgangspunkt für Tagesausflüge in die Weiten der Vojvodina oder zu den 16 serbisch-orthodoxen Klöstern in Fruška Gora. 
Das serbische Nationaltheater in Novi Sad. Foto: National Tourism Organisation of Serbia
Novi Sad, 80 Kilometer nordwestlich von der Hautpstadt Belgrad gelegen, liegt inmitten der pannonischen Tiefebene. Sumpfgebieten abgetrotzt, treffen in Serbiens zweitgrößter Stadt Europa und der Balkan aufeinander, mischen sich allerlei Nationalitäten, unterschiedliche Religionen und vielfältige Kulturen. Obgleich die Siedlung auf römische Spuren zurückgeht, wurde die nach wie vor das Stadtbild bestimmende Festung Petrovaradin erst im 17./18. Jahrhundert erbaut. Die heutige Stadt entstand als Brückenkopf auf der gegenüberliegenden Donauseite. Der jetzige Name datiert auf das Jahr 1748, als die Bürger die Stadtrechte mitsamt dem Status einer „königlichen Stadt“ dem Wiener Kaiserhof abkauften.
Heute zählt Novi Sad, einst von Handwerkern und Handelsleuten gegründet, über 300.000 Einwohner und ist unbestritten der wirtschaftliche, kulturelle, wissenschaftliche, aber auch verwaltungstechnische Mittelpunkt der Vojvodina. Zu den Nachbarstaaten Ungarn, Rumänien, Kroatien und Bosnien-Herzogowina sind es nur jeweils 80 Kilometer. Durch die Donau und deren angeschlossene Wasserwege und Nebenflüsse ist Novi Sad zudem mit neun Ländern verbunden. Von hier aus sind sechs europäische Hauptstädte per Schiff erreichbar, darunter allen voran Serbiens Hauptstadt Belgrad, Ungarns Metropole Budapest und die ehemalige Kaiserstadt Wien. Außerdem hat man Städtepartnerschaften unter anderem mit Modena (Italien), Norich (England), Tschang Tschun (China), Helioupolis (Griechenland) sowie Dortmund (Deutschland) geschlossen. 
Impressionen aus Novi Sad. Foto: National Tourism Organisation of Serbia
Zu den wichtigsten und auch international bekannten Veranstaltungen im Jahresverlauf gehören das Theaterfestival „Sterijino pozorje“, das immer Ende Mai / Anfang Juni im Serbischen Nationaltheater stattfindet, und erstmals 1956 ausgetragen wurde. Seit 1958 verzaubert das Kinderfestival „Zmajeve dečije igre“ die Straßen von Zmaj Jovina und anderen Stadtteilen Novi Sads. Der spektakuläre Marathonlauf durch Fruška Gora lockt seit 1978 alljährlich Tausende Sportbegeisterte an. Seit 2001 versammeln sich bei Multi-Kulti-Festival EXIT Hunderttausende Jugendliche aus Serbien, den Anrainerstaaten und aller Welt auf der Festung Petrovaradin zum einem sommerlichen Musik-Spektakel unter freiem Himmel. Darüber hinaus haben sich aber auch das Musikfest NOMUS, immer im April eines Jahres, und das Internationale Jazz-Festival im Dezember über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Zudem lockt immer Anfang September das Filmfestival „Novisader Arena“ die Meister der bewegten Bilder in die Donaustadt.
Doch nicht nur der reichgefüllte Veranstaltungskalender sorgt dafür, dass Novi Sad sich als moderne Stadt mit Stil und Dynamik, aber dennoch seinen Traditionen verpflichtet, präsentiert. Das Gymnasium etwa wurde bereits 1810 gegründet. „Matica srpska“ mit der ältesten Literaturzeitschrift Europas, „Letopis“, wird seit 1836 herausgegeben. Das Serbische Volkstheater wurde 1861 gegründet.
Der Stadtkern selbst präsentiert sich als Ensemble historischer Gebäude – mit einer Mischung aus Gotik, Barock, Sezession und Neoklassizismus. Hier finden sich auch die wichtigsten Institutionen, Museen und Galerien. Die Matica srpska-Galerie etwa, 1874 eröffnet, bewahrt die umfangreichste Gemälde- und Grafiksammlung der serbischen Kunst. Die Pavle Beljanski Gedenksammlung beherbergt die Werke des bekanntesten serbischen Malers des 20. Jahrhunderts. Das Vojvodina Museum zeigt Geschichte und kulturelles Erbe der Tiefebene. Dazu kommen zahlreiche Kirchen aus dem 18. und 19. Jahrhundert wie etwa die Domkirche Saborna crkva. Zudem ist Novi Sad Universitätsstadt mit 13 Hochschulen.
Wahrzeichen der Stadt jedoch ist die quasi außerhalb, da am gegenüberliegenden Flussufer gelegene Festung Petrovaradin. Erbaut nach Plänen des Franzosen Vauban Sebastien zwischen 1692 und 1780 verfügt die über 100 Hektar große Anlage über 12.000 Schießscharten, vier unterirdische Galerien und gut 16 Kilometer lange unterirdische Gänge, von denen einige sogar bis an die Donau führen sollen. Heute geht es hier jedoch friedlich zu: In der Festung befinden sich nun 88 Kunstateliers sowie das Museum der Stadt Novi Sad. Kurios auch das Symbol der Festung – ihr Aussichtsturm. Dessen Uhr hat mit Absicht vertauschte Zeigerfunktionen, denn der große zeigt die Stunden, der kleine die Minuten an. So können auch aus der Ferne bereits Donauschiffer sehen, welche Stunde geschlagen hat.
Allgemeine Serbien-Informationen sind erhältlich bei der
NATIONALEN TOURISMUS ORGANISATION SERBIENS (NTOS)
Dečanska 8, 11000 Belgrad, Serbien
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