Das Forstamt wacht über 70 Prozent der Fläche, den Wald
Im Siegerland-Wittgenstein kann man seiner Kondition gerecht sich Wander- und Erlebnistage von den Mitarbeitern zusammenstellen lassen, ganz individuell. Sie sorgen für Unterkunft, Gepäcktransfer, Wanderführer und Verpflegung.
Auf einer der Ruheplätze trifft man so schon mal eine Wandergruppe. Schnell ist man zum Picknick eingeladen. Leckeres Kartoffelbrot wird gereicht, dazu gesundes Mineralwasser. Die Truppe ist guter Stimmung. Einige philosophieren darüber, weshalb die Förster bei Frauen so beliebt sind. Die Meinungen sind vielfältig, weil er nie zu Hause ist, oder so ausgeglichen die heimischen Räume betritt, weil nur der Förster wird der die Natur liebt und das muß ein guter Mensch sein, einer mit Seele, und noch viel mehr. Der dazukommende Förster schmunzelt. Diethard Altrogge, der Forstamtsleiter persönlich begleitet die Wanderung.
Der Kreis Siegen-Wittgenstein ist zu 70 Prozent bewaldet. Das Forstamt ist hier Behörde. 1970 wurde es zur unteren Forstbehörde erhoben. Ohne dessen Zustimmung darf weder ein Traktor in den Wald, noch können Flächennutzungspläne erstellt oder eben Wanderwege freigegeben werden.
In Wittgenstein gibt es noch fürstliche Wälder. Nach dem zweiten Weltkrieg, als die Bodenreform drohte, schickte ein cleverer Forstamtsleiter aus Berleburg die anmutig reizvolle Fürstin Margarete zum Bundespräsidenten, Herrn Lübke. Der Fürstenwald war erlöst. Die Bodenreform kam nicht. Das Großeigentum blieb und der andere Wald auch. Fürstin Margarete lebt noch heute und genießt großes Ansehen.
Diethard Altrogge will den Prinzen und Prinzessinnen nicht zu nahe treten, aber er redet von Katastrophenwirtschaft, wenn die Fürsten im sogenannten "Altersklassenverfahren" nur eine einzige Baumart pflanzen, um diese dann nach 50 bis 80 Jahren in riesige Kahlflächen zu verwandeln. "Holz ist Produkt und Produktionsmittel in Einem. Wenn einer seine Fabrik zerstört, also einen Kahlschlag macht, dann ist das unternehmens- und managementmäßig völlig grober Unfug. Aber so ist über Jahrhunderte hier so gewirtschaftet worden. Allmählich findet Einklang in die Fürstenhäuser, dass anders gewirtschaftet wird." Wohl auch, weil das Waldgesetz Nordrheinwestfalens Kahlschläge nur noch bis zwei Hektar zuläßt.
Der Staatswald zu Hilchenbach ging einst durch eine Laune beim Wiener Kongreß während des Tanzes an Preußen. Diesen und die Privatwälder bewirtschaftet das Forstamt. Hier werden die Bäume bis 200 Jahre alt. 90 Prozent des Ernteholzes wächst zwischen 100 und 200 Jahren. So werden nur drei bis vier, statt zwanzig Bäume pro Hektar und Jahr gefällt. Mischwald wurde und wird gekonnt wieder forciert, edle Baumarten vorsichtig erneut angepflanzt, das natürliche Nachwachsen des Baumbestandes gesichert, die Artenvielfalt erhalten und damit dieser Wald zum Märchenwald zurückgeholt.
Etwa 9000 private Eigentümer haben Ihre Wälder den Förstern anvertraut. Das Land subventioniert die Erhaltung und Verbesserung seines Schatzes Wald. Die privaten Waldbesitzer zahlen nur etwa eineinhalb Euro pro Hektar und Jahr an das Land, wohingegen der Forst rund einhundertzehn Euro vom Land erhält. "Billiger kriegen wir´s nicht, sagen die bäuerlichen Waldbesitzer, und außerdem sind im Forstamt Hilchenbach ausschließlich nette Förster." Wenn alle so sind wir ihr Chef, dann
stimmt das wohl.
Das Holz wird bis nach China exportiert, Gewinn erwirtschaftet, aber vorallem ist es für den Menschen ein Erlebnis durch diesen gesunden Wald zu wandern.
Die Gruppe möchte in eines der mit Zäunen geschützten Gebiete. Die Zäune haben Klappen, für die Wildschweine. Zu Beginn werden sie angefüttert, dann finden die Wildschweine die Klappen von allein, wühlen den Boden auf und sorgen dafür dass junge Pflanzen sprießen können. Diethard Altrogge zeigt, von welcher Qualität seine Baumpflanzen sind. Er zieht einen etwa ein Meter jungen Baum aus der Erde, macht einen Knoten in den Stamm, um ihn dann wieder zu öffnen. Das Bäumchen streckt sich von selbst wieder, steht einfach auf, als wenn nichts gewesen wär. Nur so könne der Wald die Stürme und die Schneelast ohne Schaden verkraften, sagt Altrogge und amüsiert sich über die verdutzten Gesichter.
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