Vom Palast zum größten Kunstmuseum - die Eremitage
Zarin Elisabeth, die Tochter Peter des Großen, gab den Auftrag zum Bau des Winterpalastes. Mit Recht gilt das Gebäude als das schönste von St. Petersburg. Von der Stadt kommend, betritt man den riesigen halbrunden Schlossplatz durch einen Triumphbogen, blickt an der Alexandersäule vorbei, direkt auf die grün-goldene Barockfassade.
Die Eremitage. Foto: Mike Dojel
Katharina die Große nahm sich den Louvre zum Vorbild und legte den Grundstock zu der einzigartigen Kunstsammlung, die heute im Winterpalast, in der Kleinen, Neuen und Alten Eremitage untergebracht ist. Eigentlich sollte Friedrich der Große die Werke der flämischen und holländischen Meister kaufen, aber dem Preußenkönig fehlte das Geld. So kamen die 225 Gemälde an den Zarenhof. Von einer wahren Sammelleidenschaft gepackt, ließ Katharina in ganz Europa Kunstwerke aufkaufen. Zu den Gemälden kamen Stiche, Münzen und Bücher. Auch die Sieger der Oktober-Revolution fügten der Eremitage weitere Kunstwerke zu. So kam die Sammlung des Fürsten Stroganow und die der Privatsammler Morosow und Schtschukin in die Eremitage. Obwohl Stalin etliche Kunstwerke verkaufte, befinden sich etwa 3 Millionen Kunstobjekte in der Eremitage. „Und man benötigt“, so der langjährige Direktor Boris Piotrowski, „70 Jahre um alles zu sehen“.
Der Winterpalast von der Newa. Foto: Mike Dojel
Vom Ufer der Newa führt der Weg über die Jordantreppe in den Winterpalast. Gleich beim Betreten wird man von der Pracht regelrecht erschlagen. Zentnerschwere Kronleuchter in verschiedenen Größen werfen ihr Licht auf die Marmorsäulen der verschiedensten Stilrichtungen, Mosaikfußböden und Skulpturen. 350 Räume sind angefüllt mit archäologischen Funden, Kunstwerken aus der römischen und griechischen Zeit, der Kunst Westeuropas und Russlands und der Münzsammlung. Hier hängen mehr Rembrandts als in seiner niederländischen Heimat, und das Museum beherbergt die größte Matisse-Sammlung außerhalb Frankreichs. Ein wahrer Höhepunkt ist die Ausstellung „Das Gold der Skythen“ in der Schatzkammer.
Bei 65.000 ständig ausgestellten Exponaten kann man wirklich nur einen ganz kleinen Teil ansehen. Die sprachgewandten Führer haben ein ungeheures Wissen über die Werke einzelner Maler und über die Kunstgeschichte ganzer Epochen. Aber irgendwann, der eine früher, der andere später, wird man doch kunstmüde. Zu viele Eindrücke sind zu verarbeiten, dass man am Ende kein Bild mehr sehen möchte.
St. Petersburg: Von einer Waldschneise zur Flaniermeile
Was als Schneise durch Wald und Sumpf begann, sollte sich zur luxuriösten Flaniermeile Europas entwickeln: der Newski-Prospekt.
Impressionen vom Newski-Prospekt. Fotos (3): Mike Dojel
Geplant als Verbindung zur Handelsstraße nach Nowgorod, das St. Petersburg mit Waren versorgte, wurde der „Newski“ zur Hauptstraße der neuen Metropole. Bedingt durch die Nähe zum Winter- und Sommerpalast des Zaren, wurde das Viertel bald zur ersten Adresse. An der Straße bauten die Adeligen ihre Paläste und Stadtvillen. Die verschiedenen Konfessionen erhielten großzügig Land und bauten ihre Kirchen. Kaufleute aus ganz Europa siedelten sich am Newski an, eröffneten ihre Geschäfte und Kaufhäuser. 
Bis zum ersten Weltkrieg war der Boulevard der Inbegriff des Luxus. Es gab eine ungeheure Zahl eleganter Geschäfte. Militär in Galauniform, Damen in Samt und Seide flanierten an den Auslagen vorbei. Es wurden nur ausländische Waren verkauft die um ein Vielfaches teurer - und somit für den Normalbürger unerschwinglich waren. Parallelen zu heute sind nicht von der Hand zu weisen.
Die 4,5 km lange Prachtstraße ist auch heute wieder Einkaufsstraße und Treffpunkt der Petersburger. Langsam kehrt der Luxus wieder an den Newski zurück. In den Häusern eröffnen Juweliergeschäfte, Boutiquen, Restaurants und Clubs. An den Hausfassaden hängen Reklametafeln, für westliche Produkte werbend. Zur Hauptverkehrszeit brodelt der Verkehr, Menschen warten auf Busse, verschwinden in den Schächten der weitverzweigten U-bahn. Blumenverkäuferinnen und Straßenmusikanten verdienen sich ein Zubrot zu der oft kargen Rente.
Aber nur wenige Schritte abseits der klassizistischen Arkaden, beginnt das Petersburg der kleinen Leute. Hier blättert der Lack, bröckelt der Putz, der Regen sammelt sich in Pfützen auf den holprigen Gehsteigen. Mit der Machtübernahme der Kommunisten, wurden den Besitzer und Mieter der herrschaftlichen Häuser mit ihren Jugendstilfassaden vertrieben. Ursprünglich erbaut für ein aufstrebendes Bürgertum von Kaufleuten und Beamten, zog jetzt das siegreiche Proletariat in die Etagen.
Es entstanden die Komunalkas. Ganze Familien müssen mit einem Zimmer, oft nur wenige Quadratmeter groß, auskommen. Hier wird gegessen, geschlafen, gelebt – alles auf engstem Raum. Küche und Bad müssen sich die Familien, oft über 20 Personen, teilen. Ständiger Streit um Bad- und Küchenbenutzung ist vorprogrammiert. Der Blick aus dem Fenster geht in triste Hinterhöfe und dunkle Gassen. Aber man ist froh, überhaupt eine Bleibe zu haben, denn Wohnraum ist in der Stadt knapp. Und überall fehlt es an Geld für die notwendigsten Reparaturen.
So trifft man überall in der Stadt auf leere Fensterhöhlen, undichte Dächer. Alles was irgendwie verwertbar war, wurde abtransportiert. Auf der einen Seite die Glitzerwelt auf dem Newski, auf der anderen das Elend der kleinen Leute. Wie schon in der Zarenzeit, liegen Prunk und Armut dicht beieinander.
St. Petersburg - Peter und Paul Festung
Die Stadtgründung begann mit dem Bau der Festung Peter und Paul. Am 16. Mai 1703 (nach dem alten, 27. Mai 1703 nach dem neuen Kalender) begannen Zehntausende von Leibeigenen auf der Haseninsel Wälle aufzuschütten. Der neugewonnene Zugang zur Ostsee und die am Reißbrett geplante Stadt, mussten geschützt werden. Aus dem ganzen Land wurden die Leibeigen nach St. Petersburg geschafft, um auf Befehl des Zaren, die Pläne Wirklichkeit werden zu lassen. 
Die Festung von der Newa aus betrachtet. Foto: Mike Dojel
Obwohl die Festung militärisch nie zum Einsatz kam, forderte der Bau so viele Menschenleben wie ein Krieg. Hunger, Erschöpfung, Seuchen und die Kälte des Winters rafften mehr als 100.000 Arbeiter dahin.
Nun hatte der Zar seine Festung, und was kann man Besseres daraus machen, als ein Gefängnis. Einer der ersten Gefangenen, die hier eingesperrt wurden, war Zar Peters Sohn Alexander. Hier verschwanden die Gegner des Zarenregimes, warteten Todeskandidaten wie z. B. Lenins Bruder, auf ihre Hinrichtung. Auch Dostojewski verbrachte einige Zeit in einer der Zellen, bevor er nach Sibirien deportiert wurde.
Peter und Paul Kathedrale. Foto: Mike Dojel
Etwas seltsam ist das Verhältnis der Zaren zu der Festung. Obwohl ein Gefängnis, liegen hier die meisten der Zaren begraben. Es ist, als ob sie sich selbst als Leichnam nur in der Festung siecherfühlten. Ihre Gräber sind in der Peter und Paul Kathedrale zu sehen. Die Kirche war das erste Gebäude aus Stein und ist heute noch das höchste Gebäude der Stadt. Auf der Kirchturmspitze, ganz ungewöhnlich für eine orthodoxe Kirche kein Zwiebelturm, steht eines der berühmtesten Symbole der Stadt: der Engel mit dem Kreuz.
Heute dient die Festung ganz friedlichen Zwecken. An schönen Tagen, ziehen die Petersburger zur Insel. Am schmalen Strand, an der Mauer angelehnt, genießen sie die Strahlen der noch schwachen Frühlingssonne.
Öffnungszeiten: 11.00 – 17.00 Uhr; Di. 11.00 – 16.00 Uhr; Mi. und letzter Di. des Monats geschlossen.
St. Petersburg: Der Peterhof – Versailles am Ostseestrand
Die Raketa, das Schnellboot, rast mit Höchstgeschwindigkeit Richtung Ostsee. Der Peterhof ist eines der beliebtesten Ausflugsziele der Petersburger. Die äußerst luxuriöse Anlage, ist eine Ansammlung von Schlössern, Parks, und Wasserspielen. Peter der Große hat die Schlossanlage seinem Vorbild Versailles nachbilden lassen. Sie ist zwar etwas kleiner geraten als Versailles, liegt aber wunderschön am Ostseestrand. 
Schloss und große Kaskade. Foto: Mike Dojel
Ohne Zweifel ist die Große Kaskade die Hauptattraktion. Als Hintergrund dient der 275 m lange Große Palast und der Obere Garten, ganz im Barockstil. Fontänen und Springbrunnen, vergoldetet Figuren und Statuetten fügen sich zu einem einzigartigen Wasserspiel zusammen. Wenn die Springbrunnen aufgedreht werden, beginnt offiziell der Sommer. Tausende ziehen dann zum Volksfest an die Ostsee.
In historischen Kostümen flaniert man ums Schloss, auf den Wegen des großen Parks und entlang des Kanals, der zum Meer führt. Gardeuniformen für die Herren, Reifröcke und hochaufget
ürmte Perücken für die Damen, sind die passende Kleidung.
Fontäne vor dem Schloss. Foto: Mike Dojel
Während des Krieges wurde der Peterhof von den deutschen Truppen völlig zerstört. Im Original aufgebaut, erstrahlen seit 1958 die Säle wieder im alten Glanz. Spiegel lassen die Säle noch großer erscheinen und Goldstuck rahmt die Deckengemälde ein.
Wie in einer Zeitmaschine fühlt man sich in die Zarenzeit versetzt. Besonders intensiv ist das Erleben im Palast Nikolaus I. Die Wohnräume sind so sorgfältig und authentisch restauriert, dass man meinen könnte, der Zar käme gleich zur Tür herein.
Öffnungszeiten: 10.30 – 17.00 Uhr; montags und am letzten Dienstag des Monats geschlossen.
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